Metti bón, cavi bón

Tu Gutes rein, hol Gutes raus. Mit dieser Philosophie ist La Vialla der bekannteste Demeter-Landwirtschaftsbetrieb in Italien geworden. Harald Koisser im Gespräch mit den drei Inhabern – Antonio, Bandino und Gianni Lo Franco über den Weinbau

La Vialla ist der prominenteste und größte Demeter-Weinbaubetrieb Italiens. Wie aufwändig ist es, die Bio/Demeter-Standards dauerhaft zu erfüllen?

Sehr aufwändig, da uns nur wenige technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um die Widrigkeiten zu bewältigen, mit denen die Weinreben zu kämpfen haben. Wir haben klimatische Schwankungen, die uns jedes Jahr mit immer neuen Situationen überraschen, auf die wir einfach nicht vorbereitet sind. Wir haben Spätfröste, gefolgt von sengender Hitze, extrem regnerische Jahreszeiten, gefolgt von anhaltenden Dürreperioden.

Wie passt man sich da an?

Das geht nur kontinuierlich. Wir haben sechs spezielle Wetterstationen und versuchen, in jeder Gegend, wo wir Weinberge haben, anhand der Wetterbedingungen, Niederschläge, Temperaturen usw. zu überwachen, ob kritische Schwellenwerte überschritten werden, die ein Auftreten von Krankheiten wie falschem und echtem Mehltau oder Grauschimmelfäule begünstigen, um dann rechtzeitig, also vor dem Auftreten der Krankheit, eingreifen zu können. Wir sind dauernd auf der Hut.

Was verwendet Ihr dann? Kupfer wäre ja erlaubt.

Dank dem Einsatz vom Sprühgeräten mit Rückgewinnungssystem konnten wir die erlaubten Kupfermenge im Durchschnitt um mehr als 40% reduzieren. Mit dem kontinuierlichen Einsatz von biodynamischen Präparaten und Techniken, der Förderung der Artenvielfalt und dem respektvollen Umgang mit dem Boden, indem wir die mechanische Bearbeitung auf ein Minimum reduzieren, bemühen wir uns, den Anbau immer ausgeglichener und in Harmonie mit den territorialen Gegebenheiten zu gestalten.

Noch eine Frage zur Klimasituation. Es scheint als könntet Ihr im Moment nur reagieren. Das klingt irgendwie unbefriedigend.

Der Klimawandel macht den Jahresverlauf nicht vorhersehbar. Er muss also gelebt und sozusagen „live“ in Angriff genommen werden, indem mit immer präziseren und adäquateren Methoden eine Anpassung oder ein Eingriff in die Kulturen vorgenommen wird. In marktwirtschaftlicher Hinsicht hingegen werden die Herausforderungen dazu führen, dass wir uns nach neuen Rebsorten umsehen, die möglicherweise gegen die verbreitetsten Krankheiten resistent sind, oder alten, autochthonen Sorten, die besser geeignet sind, in ihren Ursprungsgebieten zu gedeihen und sich den im Gange befindlichen Veränderungen anzupassen. Des Weiteren arbeiten wir an der Entwicklung neuer Weine und anderer Erzeugnisse aus Trauben, die auch die anderen Aspekte ihres Nährwerts hervorheben, um uns einem zunehmend aggressiven und globalen Markt zu stellen.

Gibt es angesichts dieser klimatischen Schwierigkeiten einen Trend in Italien in Richtung Bio-Weinbau? Oder seht Ihr eher keine Bewegung am Markt?

Besonders in Italien gibt es einen starken Trend zum biologischen Weinbau. Es gibt ganze Gegenden und kontrollierte Herkunftsgebiete, die bereits zum biologischen Anbau übergegangen sind, oder dabei sind, es zu tun. Aber man muss zwischen denjenigen unterscheiden, die dies aus Überzeugung und mit Kenntnis der Sachlage tun, und den anderen, die kommerzielle Gewinne erhoffen oder einem Trend oder einer Mode folgen.
Angesichts der starken Marktbewegung bleiben die wahren Bio-Produzenten eine Minderheit. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Bestimmungen für den biologischen Anbau auf europäischer Ebene relativ labil sind, wird verständlich, warum unser Ziel nicht mehr nur der biologische, sondern auch der biodynamische Anbau ist, und wenn möglich, möchten wir unseren internen Standard sogar noch weiter verbessern. Wir wollen weit unter die ohnehin schon niedrigen Grenzwerte im Bio-Weinbau kommen. Es ist nicht ausreichend, zum Beispiel Schwefeldioxid innerhalb der vorgeschriebenen Höchstwerte einzusetzen. Wir forschen und untersuchen, wie man seinen Einsatz Jahr für Jahr, unabhängig von der Gesetzgebung, kontinuierlich senken kann.

Ihr bemüht Euch also sehr, aber wird Bio-Wein von den Konsumenten auch angenommen?

Wir hoffen es. Es geht ja nicht nur um die Umwelt, sondern um die eigene Gesundheit. Viele Menschen haben unter anderem dank der Diskussionen zu Nachhaltigkeit, Artenvielfalt, Umweltschutz und Gesundheit diesbezüglich ein stärkeres Bewusstsein entwickelt und treffen demnach auch bei Weinen eine andere Wahl.

Die Verbraucher sind neuen Erfahrungen gegenüber immer offener und informieren sich. Dies führt dazu, dass sie auch mehr auf Qualität, besondere Rebsorten und die Naturbelassenheit der Weine setzen.

Als wir begonnen haben, einige ungefilterte Weißweine anzubieten, war manch einer aufgrund ihrer Trübheit perplex, doch als wir dann die Gründe für diese Entscheidung erläutert und einige Blindverkostungen, also wirklich mit verbundenen Augen, durchgeführt haben, fanden diese Weine enormen Anklang.

Mittlerweile bevorzugen unsere Kunden Weine, die so naturbelassen wie möglich sind, nicht gefiltert werden und bis auf eine sehr geringe Menge SO2 (noch weniger, als von Demeter zugelassen) keinerlei Zusätze enthalten. SO2 ist übrigens das einzige von La Vialla verwendete Konservierungsmittel.

Seit 2011 sind alle unsere Weine vegan.

Ihr seid ja nicht nur ein Weinbaubetrieb, sondern ein Bauernhof.

Unsere große Vielfalt ermöglicht es uns, autonomer zu sein und in der Fattoria einen geschlossenen Kreislauf zu bilden: Die Schafe geben nicht nur die Milch für den Schafskäse, sondern sorgen auch für Dünger auf den Feldern und in den Weinbergen. Der Trester und die Pressrückstände der Oliven kommen auf den Kompost, eine äußerst wichtige Nahrungsquelle für die Böden. Die Eier der Hühner werden für den Agrotourismus und das Gebäck benötigt, und etwas von ihrem Fleisch für die Gäste – und natürlich bereichert ihr Mist auch den Kompost. Das Olivenöl von La Vialla wird nicht gefiltert, sondern nur dekantiert; der bittere Bodensatz wird nicht mit abgefüllt, sondern dazu verwendet, um die Rinde des Schafskäses damit einzureiben, um der Schimmelentstehung vorzubeugen. Die Samen der Wildkräuter und -blumen, die auf den Getreidefeldern wachsen, werden zusammen mit anderen Samen als Gründüngung in den Weinbergen eingesetzt. So eröffnet uns jedes neue Erzeugnis neue Möglichkeiten, gibt uns Ideen und erweitert und vervollständigt den betrieblichen Kreislauf.

Wo geht die Reise für La Vialla in Zukunft hin? Was plant Ihr als nächstes?

Wir wollen uns noch mehr in Achtsamkeit üben. Das bedeutet, sich noch intensiver dem Einsatz neuer Methoden zu widmen – unter anderem Methoden, die schon von unseren Vorfahren angewendet wurden, jedoch in Vergessenheit geraten sind, um einen wirksamen und nachhaltigen Prozess bezüglich des Umweltschutzes, der Herstellung von natürlichen Weinen und Lebensmitteln, der Erhaltung der Artenvielfalt und alter, kostbarer Gattungen/Sorten und der Verbesserung des Arbeitsklimas und Lebensstils zu erzeugen.

Wir werden unserem Motto „Metti bón, cavi bón“ (Tu Gutes rein, hol Gutes raus) und dem Glauben treu bleiben, dass es in jedem Sinne lohnend ist, Ökonomie nicht mit Profit gleichzusetzen und stattdessen Projekte aufgrund der persönlichen Überzeugung in Angriff zu nehmen.

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