KI und Geld

KI UND DAS GELD |  Die Summen, die für KI-Entwicklung ausgegeben werden, sind enorm. „Im Mai 2025 ist Donald Trump von seiner Reise in die Golfregion mit riesigen Investitionsversprechen zurückgekommen. Saudi-Arabien will 600 Milliarden US-Dollar, Katar 1,2 Billionen und die Vereinigten Arabischen Emirate 1,4 Billionen US-Dollar in KI-Infrastruktur Made in USA stecken. Im Februar hatte bereits Japan eine Billion US-Dollar zugesagt. Als der Open-AI-Gründer Sam Altman letzten Jahres erklärte, er wolle 7 Billionen US-Dollar akquirieren, hielt man das für einen Scherz. Heute würde man ihm mangelnden Ehrgeiz vorwerfen. Allein Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon investieren in diesem Jahr 2025 320 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastrukturen, gegenüber 246 Milliarden 2024. Das KI-Startup Thinking Machines Lab hat sogar 2 Milliarden US-Dollar eingesammelt, ohne auch nur eine Beta-Version vorweisen zu können. Unter KI-Experten (und Hochstaplern) herrscht Goldgräberstimmung. Um Ingenieure abzuwerben, lockt Meta mit Prämien von 100 Millionen US-Dollar. Dem ehemaligen Leiter von Apples AI-Models wurde sogar das Doppelte angeboten. Vollends auf die Spitze getrieben werden die kapitalistischen Exzesse von Elon Musks Unternehmen xAI, das in nur 2 Jahren 17 Milliarden US-Dollar eingesammelt hat und jeden Monat eine Milliarde verbrennt. Im Vergleich dazu erscheinen die Verhältnisse der ersten Generation von Tech-Giganten nahezu bescheiden. Tesla startete mit einem Kapital von 7,5 Millionen US-Dollar, Google mit einer Million und Amazon mit 8 Millionen. Und xAI? Das Unternehmen hat 3 bis 4 Milliarden Dollar ausgegeben, um in nur 122 Tagen den Supercomputer Colossus zu bauen. Experten hatten dafür 2 Jahre veranschlagt. Den größten Kurssturz in der Geschichte der US-Börse löste der weltweite Marktführer für KI-Computing aus. NVIDIA verlor innerhalb weniger Stunden 600 Milliarden US-Dollar an Marktwert, holte die Kursverluste aber innerhalb weniger Tagen wieder auf. Es folgte ein Gemetzel. Bei OpenAI purzelten die Preise wie in einem Rammschladen zum Schlussverkauf. GPT 4.1 verbilligte sich um 26 Prozent, das Flaggschiff-Modell 03 sogar um selbstmörderische 80 Prozent. Damit zog OpenAI die gesamte Branche in eine Deflationsspirale, der einige Akteure zum Opfer fallen könnten.“ (aus einem Text des Autors Evgeny Morozov, erschien am 7. August 2025 in Le Monde diplomatique.)

KI, EINE BLASE?  |  So viele Fantastilliarden für KI? Kann das gut gehen? Nein, sagen viele. Die Bubble wird platzen. Die KI-Anbieter finden keinen Return-on-investment. Der überwiegende Teil der User:innen seien Private, die KI in ihrer Gratisversion als Suchmaschine missbrauchen oder als Sekretär und Ghostwriter einsetzen. Es gäbe kein Geschäftsmodell. Doch, sagen andere, es wird gut gehen. In Großbritannien entstand in den 1840ern eine Eisenbahn-Spekulationsblase. Doch am Ende blieb ein landesweites Schienennetz, das die Industrialisierung befeuerte. Genau so würde jetzt eine Investition in Infrastruktur stattfinden: Rechenzentren, Chips und Energieversorgung. Das wäre grundsätzlich anders als beim Platzen der Dotcom-Blase, wo Millionen in windige Geschäftsideen und sonst gar nichts geflossen sind.

KI, EIN IMPERIALISTISCHES PROJEKT  |  KI ist jedenfalls ein imperialistisches Projekt geworden. Große KI-Anbieter haben hemmungslos das Internet abgegrast und wissentlich alles abgesaugt, was dort herumgelegen ist, Copyright hin oder her. So als würde eine brandschatzende Horde über das Land ziehen und in alle Gärten und alle Häuser eindringen und mitnehmen, was sie greifen können. Überall und alles. Hemmungslos. Als dann die ersten Aufregungen kamen, wurde beschwichtigt. Als die Beschwichtigungen nicht mehr geholfen haben, wurde da und dort ein wenig Schmerzensgeld bezahlt.

„Im Mai 2024 haben sich OpenAI und Murdochs Medienkonglomerat News Corp, zu dem auch das Wall Street Journal gehört, auf eine 5-Jahres-Lizenz über 250 Millionen US-Dollar geeinigt. Im August desselben Jahres schloss das New Yorker Verlagshaus Wiley eine KI-Partnership über 44 Millionen US-Dollar ab und Harper-Collins brachte es auf 5.000 US-Dollar pro Titel für die Nutzung der Inhalte für KI-Trainings. Die Summe teilt sich das Verlagshaus mit den Autorinnen. Zahlreiche andere Verlage warten noch auf ein Angebot. Die meisten Autoren und Autorinnen sehen, wie ihre wertvolle Arbeit in einem Eintopf aus Metadaten versinkt. Die Tech-Unternehmen, allen voran Google, waren anfangs Piraten, bevor sie ins Lager der Mäzene gewechselt sind.“ (Evgeny Morozov im selben, oben erwähnten Artikel) Erst aneignen, dann leugnen, dann verhandeln. Das geistige Eigentum jeglicher Art ist annektiert und entwertet worden. Es steht heute via KI allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung, ohne dass die Urheber gefragt oder (ausreichend) entschädigt wurden. Man könnte das auch Demokratisierung nennen.

KI IST ERST DER ANFANG  |  Wenn solch eine enorme Enteignung ohne größere Konsequenzen möglich war, warum dann nicht weiterdenken?! Warum dann nicht die enormen Vermögen der überreichen Menschen ebenfalls enteignen und demokratisieren? Dass wir uns Überreichtum heute nicht mehr leisten können, ist evident. Diese exorbitanten Riesenvermögen sind freiheitsgefährdend. Es gibt einzelne Menschen, die sich im Wortsinn die Welt kaufen können. Setzen wir die Idee also fort. Wenn Google & Co einfach Eigentum stehlen dürfen, dann nehmen wir es als Präzedenzfall und forcieren wir den weltweiten Demokratisierungsprozess durch Annexion und Umverteilung der Megavermögen. Los geht’s. KI war erst der Anfang einer Demokratisierungswelle. Google & Co haben das so nicht gemeint, aber wir dürfen es so weiterdenken.

[Dezember 2025]